Wer auf der Suche nach einem Akkustaubsauger ist, wird wahrscheinlich schnell an Dyson denken. Doch beim Blick auf die Preise – derzeit kostet der V11 Absolut Extra im Preisvergleich ab 622€ inkl. Versand – fragt man sich schnell, ob es nicht auch günstigere, aber gleichwertige Alternativen gibt. Tineco wird wahrscheinlich einigen Lesern schon bekannt sein, sind wir doch großer Fan von deren Saugwischern. Jetzt hatten wir auch endlich mal die Gelegenheit den Akkustaubsauger – das derzeitige Topmodell Tineco Pure One S12 – zu testen:

jeweils mit zwei Jahren Garantie / Ersatzakku für 80€

Datenblatt

Preis ohne Angebot (ca.) ~599€
Saugkraft 22.000 pa
App Tineco (Android, iOS)
Display Universal-LED-Display
Lautstärke 71 dB (auf höchster Saugstufe)
Akku 2500 mAh(zwei liegen bei), austauschbar
Saugstufen zig Stufen
Arbeitszeit 100 Min.bei Verwendung eines nicht motorisierten Aufsatzes (Eco), 20 Min. auf höchster Saugstufe
Staubkammer 0,6 l
Maße 120 x 25 x 15 cm
Gewicht 3,0 kg
CE-Kennzeichen ja

Tineco Pure One S12: Erster Eindruck

Bei uns im Test war die teurere Variante, sprich der Tineco One S12 Plus bzw. Pro EX. Dieser unterscheidet sich zum normalen S12 zum einen in der Farbe (silber statt schwarz) und zum anderem im Zubehör. So kommt dieser standardmäßig mit einem zweiten Akku, mit der Soft-Bürste für harte Böden, sowie mit dem biegsamen Verlängerungsschlauch und dem Winkelrohr.

Die Verpackung und das Packaging im Allgemeinen sind dem doch noch sehr hohen Preisniveau entsprechend. So tragen die einzelnen Kartons noch Abbildungen vom jeweiligen Inhalt. Alles ist sehr ordentlich und vor allem sicher verpackt. Sehr lobenswert finde ich hier, dass größtenteils auf den Einsatz von Styropor verzichtet wurde.

Einmal alles ausgepackt wird die Summe des ganzen Zubehörs erstmal sichtbar. Stolze 15 Teile umfasst das ganze Paket. Highlights sind meiner Meinung nach vor allem die zwei Bodenaufsätze, der zweite Akku und der selbstreinigende Vorfilter – dazu später mehr.

Durchweg alle Teile fühlen sich sehr wertig an und sind perfekt verarbeitet

Bevor es an die erste Testfahrt geht, wird der Sauger bzw. die Wandhalterung schnell an die Wand montiert. Dank der mitgelieferten Dübel und Schrauben ist das im Handumdrehen erledigt. Besonders praktisch finde ich, dass der zweite Akku auch Platz an der Wandhalterung hat und dort auch geladen wird. Schade hingegen ist, dass nicht das gesamte Zubehör an der Halterung verstaut werden kann. Lediglich 3 Aufsätze und das Reinigungstool finden Platz an der Halterung.

Im Einsatz

Bedienungskonzept

Vorweg erstmal ein paar Funktionsweisen des Tineco S12 erklärt. Hersteller von Akkustaubsauger unterscheidet man grundsätzlich in zwei Lagern. Die einen verbauen einen Powerknopf der durchgängig gedrückt werden muss während des Saugens, die anderen wollen diesen nur zum einmaligen An-/Ausschalten betätigt haben. Wer schonmal mit einem Dyson eine mittelgroße Wohnung gesaugt hat, weiß wovon ich spreche. Dadurch, dass der Zeigefinger ständig den Knopf drücken muss, versteift sich automatisch der Griff und nach einer Weile ist die Haltung unangenehm.

Tineco möchte sich weder dem einen noch dem anderen Lager zuordnen und hat beide Lösungen gleichzeitig verbaut. Dies sieht wie folgt aus:

Betätigt man den silbernen Schalte, so bleibt das Gerät dauerhaft an. Der graue Taster versetzt den S12 nur solange in Betrieb, solange er auch gedrückt wird. Was zunächst so banal erscheint, entpuppt sich im Alltag aber als echter Mehrwert. Gerade, wenn man den Tinceo S12 auch mal als echten Staubsaugerersatz nutzen möchte und Möbel/Flächen absaugen oder aber auch mal schnell das Auto durchsaugen möchte. Alles kein Problem: Einfach den Verlängerungsschau anschließen, den passenden Aufsatz wählen und den Tineco S12 platzieren, anschalten und los geht’s:

Der biegsame Aufsatz ist hier besonders praktisch

Doch nicht nur in der Handhabung überzeugt der Tinceo S12 mit durchdachten Konzepten, auch technisch macht Tineco grundlegende Dinge anders.

Tineco iLoop-Funktion – was ist das?

Mit dem Werbespruch “See the SMART Difference” also zu deutsch “Sehe den cleveren Unterschied”, spielt Tineco auch auf ihre iLoop-Funktion an. Hierbei handelt es sich um einen Sensor, der Schmutz erkennt. Dieses Prinzip kennen wir schon so ähnlich vom Wischsauger Tineco Floor One S3.

Hintergrund ist vor allem der ressourcenschonende Umgang mit der Akkukapazität. Um auf eine möglichst lange Laufzeit mit einer Akkuladung zu kommen, ist es nur sinnvoll immer die optimale Saugleistungsstufe zu benutzen. Kennen wir es von anderen Akkustaubsaugern, dass es 2-3 Saugstufen gibt, verfügt der Tineco S12 über unzählige Saugstufen, die stufenlos per Touch einstellbar sind. Ein Ring auf dem Display zeigt dabei visuell in der Farbe Rot an, wie viel Schmutz der Sensor erkennt – je mehr vom Ring rot eingefärbt ist, desto mehr Schmutzpartikel werden erkannt. Gemessen an dieser Anzahl wird die Saugstufe dynamisch angepasst. Die aktuelle Saugstufe wird natürlich auf dem Display angezeigt, sowie der Akkustand in Prozent. Auch kann man dort manuell per Touch die Saugstufe ändern oder zurück zu “Auto” wechseln.

In der Praxis ist diese Funktion etwas gewöhnungsbedürftig. Ist man es doch gewohnt, dass man mit einem normalen Staubsauger/Akkusauger alle Mitbewohner:innen mit einem ohrenbetäubenden Lärm verärgert, ist es mit dem Tineco S12 ziemlich still. Auf Hartböden entscheidet sich die iLoop Funktion fast immer in einer sehr niedrigen Saugstufe zu arbeiten. Die anfängliche Sorge, dass es nicht effektiv ist, entpuppt sich schnell als unbegründet. Der gesamte Schmutz wird zuverlässig von der Softwalze eingesammelt und vom Sauger aufgesaugt. Schnell vertraut man also dieser Funktion und erfreut sich an seinem stillen Sauger. Einziges Manko hier: Es wird natürlich nur Schmutz erkannt, der auch von der Softwalze eingekehrt wird. Die Softwalze reicht meist nicht bis ganz in die Ecke oder bis zur Kante. Hier empfiehlt es sich dann also händisch über das Display die Saugleistung hoch zu regeln.

Apropos Saugleistung – 22.000 pa ausreichend?

Meine erste Fahrt ging mit der elektrischen Teppichbürste über den Teppich unter dem Esstisch. Ein, zwei Bahnen später schaute ich in den Behälter und konnte meinen Augen kaum trauen. DAS soll alles in dem kleinen Stück Teppich gewesen sein? Nur um es klar zu stellen, der Teppich wird alle 2-3 Tage vom Saugroboter gesaugt und zwischendurch auch mal mit einem richtigen Dyson Sauger (nur eben oben Teppichbürste). Also folgten schnell auch alle anderen Teppiche im Haus und am Ende war der Behälter voll.

So sieht es aus, wenn der Behälter überfüllt ist.

Aber auch hier kein Saugkraftverlust bedingt durch den vollen Behälter. Kurz den Behälter geleert und den Aufsatz gewechselt.

Top auch bei Matratzen!

Es folgte die Mini-Turbobürste, auch als Milbenbürste/Matratzensauger bekannt. Hatte ich schonmal mit einem günstigen Einsteigerakkusauger ausprobiert und war vom Ergebnis eher enttäuscht. Dementsprechend niedrig waren auch meine Erwartungen. Was der S12 aber alles aus der Matratze gesaugt hatte machte mich abermals sprachlos.

Das Ergebnis von zwei Matratzen

Hartbodentest

Im Anschluss habe ich dann noch alle Hartböden gesaugt. Hierbei gefiel mir besonders, dass die Softwalze sehr sehr smooth und angenehm über den Boden gleitet. Wäre sie ein Sportwagen, wäre es definitiv ein Porsche. Sie klappert nicht über Unebenheiten und rutscht auch nicht weg, wenn man mal eine enge Kurve nimmt. Diese ist wie die Teppichbürste (und auch der Porsche) mit LED-Leuchten ausgestattet. Besonders praktisch wenn man unter Schränken/Möbeln oder in dunkleren Ecken saugt.

Weg mit dem Dreck – nur eben SMART

Wie beschrieben, ist der Behälter bzw die Staubkammer trotz seiner normalen Größe von 0,6l relativ schnell voll. Einfach zum Mülleimer gehen, die Klappe öffnen und den Schmutz hineinfallen lassen. Theoretisch funktioniert dies auch ohne mit dem Schmutz in Kontakt zu kommen, aber leider auch nur theoretisch. Hier leistet sich der Tineco S12 meiner Meinung nach seinen einzigen Patzer. Haben Dyson und andere Hersteller schon den Entleerungsmechanismus überarbeitet, funktioniert es beim S12 noch eher wie in den Anfangszeiten der Akkustaubsauger. Hat man Haustiere, so wie ich, bleiben viele Haare im Behälter zurück, die man dann mit den Fingern entfernen muss oder man löst mit einem Dreh das Innenleben der Staubkammer – den Filter – und alles fällt raus. Kann man so machen, ist aber ziemlich ungeeignet für Allergiker.

Nicht ganz so gut gelöst: die Staubkammer

Selbstreinigungsfunktion

Positiv muss hier aber wieder eine Raffinesse erwähnt werden! Wie eingangs erwähnt, kommt der Tineco S12 (beide Versionen!) mit einem Aufsatz zur Selbstreinigung des Vorfilters. Den Filter erkennt ihr auf den obigen Bild; der graue Stopfen in der Mitte kann herausgezogen werden.

Dazu gibt es dann einen passenden Aufsatz mit einem weiteren Filter. Der jeweils dreckige Filter wird in den Aufsatz eingelegt, an den Sauger angeschlossen und der Tinceo S12 übernimmt die Arbeit. Automatisch erkennt er die Reinigung und saugt mit voller Kraft. Dabei wird der Filter in dem Aufsatz an Bürsten entlang gedreht, sodass sich der gesamte Dreck löst. Kein Abwaschen mit Wasser oder etc. mehr nötig!

Dreckiger Filter in den Aufsatz, sauberer Filter in den Sauger

Aber auch hier kommt man wieder mit dem Dreck/Staub in Berührung. Beim Herausziehen des dreckigen Vorfilters kommt es schonmal vor, dass davon direkt lose Staubfetzen abfallen. Aber da der Sauger eh schon vor Ort ist, kann man das alles bequem wieder einsaugen. Der ganze Reinigungsvorgang sieht dann so aus:

Leiser Sauger? Wir haben nachgemessen!

In dem Video hörst ihr auch mal direkt, wie laut der Tineco S12 werden kann. Dies kommt im Regelbetrieb eher selten vor. Ich habe mal nachgemessen. Direkt neben dem Gerät erreicht der Tinceo S12 eine Lautstärke von 67 dB in der kleinsten Saugstufe und 76 dB in der höchsten. Zum Vergleich: unser in die Jahre gekommener Dyson Akkusauger schafft es auf 90 dB in der Spitze – subjektiv liegen Welten dazwischen.

Damit ist der Tineco S12 der leiseste Sauger, den ich bisher ausprobiert habe. Selbst meine Hunde rennen nicht panisch weg, wenn ich ihn anschalte. Test bestanden!

Smart, smarter, App?

Den Tinceo S12 kann man mit der Tineco App über WLAN verbinden. Ob das sinnvoll ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich habe den Akkusauger bisher immer ohne App benutzt. Der Vollständigkeithalber habe ich mir die App aber mal runtergeladen und angeschaut, welche Funktionen sie bietet.

Kurzum: sie dokumentiert. Man kann den Staubsauger bzw die Saugstärke per Handy steuern (braucht man nicht) und kann alles sehen, was der Sauger auf seinem eigenen Display anzeigt. Daneben zählt er ab Verbindung die gesaugten Minuten und errechnet daraus wann die einzelnen Teile gereinigt bzw geleert oder aber ersetzt werden müssen.

Fazit

Ich habe den Tineco S12 nun zwei Wochen im Einsatz und ich habe noch immer große Freude daran. Besonders die elektrische Teppichbürste hat es mir angetan – damit sind selbst die dreckigsten Fußmatten im Handumdrehen sauber. Punktabzug gibt es einzig und allein für das nicht so staubfreie Entleeren der Staubkammer. Ansonsten überzeugt der Tineco S12 mit smarten Lösungen und einer angenehm leisen, aber effektiven Arbeitsweise.

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